
Über dem zentralen Pazifik zieht der Tropensturm Lala auf Hawaii zu, und für die Hauptinsel Big Island gilt bereits eine Hurrikanwarnung. Bis zu 600 Liter Regen pro Quadratmeter könnten an den Vulkanhängen niedergehen, die Behörden warnen vor lebensgefährlichen Überflutungen und Erdrutschen. Erreicht Lala am Samstag tatsächlich Hurrikanstärke, wäre es der erste direkte Treffer seit Iniki 1992.
Warnstufen für Big Island und Maui
Nach dem jüngsten Lagebericht der amerikanischen Hurrikanzentren lag Lala am frühen Freitagmorgen Ortszeit rund 700 Kilometer ostsüdöstlich von Hilo. Der Sturm brachte anhaltende Windgeschwindigkeiten um 95 Kilometer pro Stunde und einen Kerndruck von 997 Hektopascal mit, er zog mit etwa 16 Kilometern pro Stunde nach Westnordwesten. Am Samstagvormittag soll sich Lala zu einem Hurrikan der Kategorie 1 mit rund 120 Kilometern pro Stunde verstärken, wenn sein Zentrum Big Island erreicht. Für Hawaii County gilt deshalb eine Hurrikanwarnung, für Maui County mit Maui, Lanai, Molokai und Kahoolawe eine Tropensturm-Wachstufe.
Der Regen ist die größere Gefahr
Gefährlicher als der Wind ist bei Lala das Wasser. Für Big Island und Maui erwarten die Meteorologen 200 bis 300 Liter Regen pro Quadratmeter, in den Staulagen der Vulkanhänge örtlich bis zu 600 Liter. Auf den übrigen Inseln sind 100 bis 150 Liter vorgesehen, in Spitzen bis 200 Liter. Die Behörden warnen ausdrücklich vor lebensgefährlichen Sturzfluten und Erdrutschen im Steilgelände. Dazu kommen eine Sturmflut von 0,3 bis 0,9 Metern über dem normalen Hochwasserstand und gefährlich hohe Brandung an den Ostküsten. In den Bergen können die Böen bis zu 30 Prozent stärker ausfallen als im Flachland.
Warum Hawaii so selten getroffen wird
Direkte Treffer sind auf Hawaii ausgesprochen selten. Seit den 1950er-Jahren erreichten nur zwei Hurrikane die Inseln, Dot 1959 und Iniki am 11. September 1992, beide auf Kauai. Iniki kam als Kategorie-4-Sturm mit rund 225 Kilometern pro Stunde an Land, forderte mehrere Todesopfer und verursachte Schäden von etwa 3,1 Milliarden Dollar. Dass Lala so weit nach Westen zieht, passt zum laufenden El Niño, der die Wirbelsturmaktivität in den zentralen Pazifik verschiebt. Im Atlantik führte das National Hurricane Center am Freitagmorgen dagegen keinen einzigen tropischen Wirbelsturm.