
Die atlantische Hurrikansaison steuert auf ihren Höhepunkt zu - und hat bis heute keinen einzigen Hurrikan hervorgebracht. Zwei Tropenstürme, das war es bisher. Dahinter steht ein El Niño, der auf Rekordkurs läuft und die Karten im Atlantik komplett neu mischt. Für Europa ist das mehr als eine Randnotiz.
Zwei Tropenstürme, kein Hurrikan
In einem normalen Jahr ist der erste Hurrikan Mitte August längst unterwegs: Rund sieben von zehn Saisons haben bis zum 19. August ihren ersten Hurrikan im Atlantik verzeichnet, wie der US-Hurrikanspezialist Michael Lowry vorrechnet. 2026 stehen bislang nur die Tropenstürme Arthur und Bertha in den Büchern. Noch später dran waren allein die Jahrgänge 2002 und 2013, damals kam der erste Hurrikan erst in der zweiten Septemberwoche. Die NOAA hat ihre Prognose am 6. August bestätigt: 7 bis 13 benannte Stürme, 2 bis 6 Hurrikane, 0 bis 2 schwere - und 75 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Saison.
El Niño auf Rekordkurs
Der Grund liegt im Pazifik. Seit Juni baut sich dort ein El Niño auf, das Wasser im Schlüsselgebiet Niño 3.4 liegt inzwischen etwa zwei Grad über dem Mittel. Das US-Klimavorhersagezentrum CPC beziffert die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes Ereignis von Oktober bis Dezember auf 95 Prozent, im Juli waren es noch 81 Prozent; mit 69 Prozent könnte der relative Niño-Index 2,5 Grad erreichen und damit jedes Ereignis seit 1950 übertreffen. Über dem Atlantik heißt das kräftige Höhenwinde und starke Scherung - junge Wirbel werden zerrissen, bevor sie Hurrikanstärke erreichen. Im Pazifik ist es umgekehrt: Für den Ostpazifik gibt die NOAA eine 70-prozentige Chance auf eine überdurchschnittliche Saison an, zwei Systeme haben dort bereits die höchste Kategorie erreicht.
Was das für Europa bedeutet
Unser Wetter macht El Niño derzeit nicht: Die Dürre im Süden und die wechselhafte Gewitterlage dieser Woche haben andere Ursachen. Spannend wird das Signal im Winterhalbjahr. Nach starken El-Niño-Ereignissen finden Untersuchungen häufiger einen geschwächten Polarwirbel und damit eine erhöhte Chance auf Kaltlufteinbrüche in Nord- und Mitteleuropa ab Januar - die Klimamodelle widersprechen sich hier aber deutlich, eine belastbare Winterprognose lässt sich daraus nicht ableiten. Klarer ist die globale Bilanz: Die WMO verweist darauf, dass ein El Niño in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Chancen erhöht, dass 2027 zum neuen Rekordjahr wird.