
Die Weinlese ist vorbei, bevor der Oktober überhaupt beginnt. In allen deutschen Anbaugebieten starteten die Winzer 2026 so früh wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen, in Franken und an der Obermosel schon im August. Der Dürresommer hat die Beeren klein gehalten: In Franken fehlt rund ein Viertel der Menge, im Saarland sogar mehr als ein Drittel.
Reif in 85 statt 100 Tagen
Hitze und Sonne haben die Reife regelrecht überholt. In Franken erreichten die Trauben nach Angaben des fränkischen Weinbauverbands bereits am 1. September die Vollreife und damit rund 18 Tage vor dem langjährigen Mittel, zwischen Blüte und Lese lagen nur etwa 85 statt der traditionellen 100 Tage. Die Winzergemeinschaft Franken las vom 27. August bis zum 19. September und damit in nur 21 Tagen, der kürzesten Lese ihrer Geschichte. Önologe Kilian Scheuring erklärt das damit, dass die verschiedenen Rebsorten in diesem Jahr ungewöhnlich schnell und nahezu gleichzeitig ihre optimale Reife erreicht hätten.
Kleine Beeren, kleine Menge
Die Mengenbilanz fällt entsprechend mager aus. Für Franken werden rund 320.000 Hektoliter geschätzt nach gut 432.000 Hektolitern im Vorjahr, der Hektarertrag sinkt von 72 auf 55 Hektoliter. Von Januar bis September fielen dort regional nur etwa 225 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und damit ungefähr die Hälfte des Üblichen. Im Saarland rechnet der Winzerverband mit 35 bis 40 Prozent weniger Ertrag, einzelne Betriebe melden Einbußen zwischen 15 und 60 Prozent. Das Deutsche Weininstitut verweist auf kleinere, weniger saftige Beeren und auf Trockenstress vor allem in jungen Anlagen, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen.
Regen kommt erst nach der Lese
Wettertechnisch bleibt es vorerst spätsommerlich: Heute und morgen erreichen die Höchstwerte in der Südwesthälfte 23 bis 29 Grad, am Oberrhein sind rund 30 Grad möglich. Ab Donnerstag greifen von Westen Schauer und einzelne Gewitter über, die größten Regenmengen fallen in der Westhälfte. Danach pendeln sich die Werte auf 16 bis 24 Grad ein, die Nächte kühlen auf 11 bis 5 Grad ab. Für die Reben kommt der Regen zu spät, für die ausgetrockneten Böden ist er ein erster Anfang. Bemerkenswert ist die langfristige Verschiebung: Zwischen Blüte und Lese liegen heute im Mittel rund 96 Tage, zwischen 1971 und 2000 waren es noch etwa 102.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.



