
Im Südwesten der USA, wo sonst Dürre das große Thema ist, erlebt das Four-Corners-Gebiet eine historische Flut. Der San Juan River hat in Farmington (New Mexico) den Rekord von 1909 deutlich übertroffen, Hubschrauber holten Menschen von Hausdächern. Und der starke El Niño dürfte schon Ende der Woche den nächsten Regen bringen.
Fluss steigt 60 Zentimeter über den Rekord von 1909
Seit Mittwoch sind in der Region rund 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, auf Böden, die nach zwei nassen Monaten bereits gesättigt waren. Die Feuchtigkeit stammte aus den Überresten pazifischer Tropenstürme. Nach Angaben des US-Wetterdienstes NWS lag der San Juan River in Farmington am Freitag rund zwei Fuß, also etwa 60 Zentimeter, über seinem bisherigen Rekord aus dem Jahr 1909. Der Pegel in Farmington und der am Zufluss Animas fielen in den Fluten sogar aus. Flussabwärts in Shiprock auf dem Gebiet der Navajo Nation erreichte der Scheitel am Samstagmorgen ebenfalls einen Stand deutlich über dem bisherigen Rekord von 2005. „So ist der Fluss nicht mehr über die Ufer getreten, seit man den Navajo-Staudamm gebaut hat“, sagte NWS-Hydrologe Andrew Mangham.
Rettungen von Dächern, Abwasser im Fluss
San Juan County hat den Notstand ausgerufen. Nach Angaben des Landkreises wurden rund 1.500 Haushalte evakuiert, davon etwa 600 in Farmington. Bis Freitagabend zählten die Behörden rund 60 Rettungseinsätze mit Booten, Hubschraubern und Amphibienfahrzeugen der Nationalgarde. Teils stand das Wasser einen Meter hoch in den Häusern. Todesopfer wurden bis dahin nicht gemeldet. Polizeichef Steve Hebbe sprach von einer Flut, wie es sie nur einmal in einer Generation gibt. In Bloomfield musste das Klärwerk abgeschaltet werden, ungeklärtes Abwasser floss in den Fluss. Auch in Colorado gilt der Katastrophenfall: In Pagosa Springs erreichte der San Juan River den zweithöchsten jemals gemessenen Stand, der Animas in Durango ist für Boote gesperrt.
Kurze Pause, dann der nächste Regen
Bis Wochenbeginn zieht sich das Unwetter nach Osten zurück, die Flüsse fallen langsam. Durchatmen kann die Region aber nur kurz: Zum Ende der Woche erwarten wir an der US-Westküste einen neuen Trog, der dem Südwesten erneut deutlich überdurchschnittlich viel Regen bringen dürfte. Dahinter steckt auch der historisch starke El Niño, der die Wetterküche im Pazifik seit Wochen anheizt. In Deutschland zieht Orkantief Manja derweil ab: In der Nacht zum Montag lässt der Wind nach, nur an den Küsten und im Bergland bleibt es stürmisch. Am Dienstag wird es mit 14 bis 20 Grad sehr mild und ruhiger.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.



