
Der Rhein kommt nicht zur Ruhe. Am Samstagmittag stand der Pegel Kaub bei rund 22 Zentimetern – gut 55 Zentimeter unter dem Wert, an dem sich die Schifffahrt orientiert. Die Schauer der vergangenen Tage haben kaum etwas gebracht. Und auch in der neuen Woche fällt der Regen vor allem dort, wo er dem Strom wenig nützt.
Pegel Kaub: das Nadelöhr des Mittelrheins
Am Samstag um die Mittagszeit zeigte der Pegel Kaub rund 22 Zentimeter. Zum Vergleich: Der Gleichwertige Wasserstand, an dem die Schifffahrt ihre Beladung ausrichtet, liegt dort bei 77 Zentimetern. Mitte August war der Pegel erstmals in der Geschichte der Messreihe einstellig, zeitweise wurden sechs Zentimeter gemeldet – der bisherige Tiefstwert von 25 Zentimetern stammte aus dem Dürrejahr 2018. Wichtig zu wissen: Der Pegelstand ist nicht die Wassertiefe. Selbst auf dem Rekordtief blieben in der Fahrrinne noch etwa 1,2 Meter. Doch mit jedem fehlenden Zentimeter schrumpft die Ladung, die ein Schiff mitnehmen kann.
Warum der Regen dem Strom nicht hilft
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde sieht in ihrer Einschätzung vom 17. September keine nachhaltige Entspannung. Regionale Niederschläge seien weitgehend wirkungslos geblieben, das aufsummierte Niederschlagsdefizit übertreffe inzwischen selbst das Dürrejahr 2003. Ihre Sechs-Wochen-Vorhersage hält die Pegel noch drei bis vier Wochen deutlich unter dem Gleichwertigen Wasserstand, erst ab Mitte Oktober ist eine allmähliche Erholung möglich. Unsere Vorhersage passt ins Bild: Am Sonntag und Montag ziehen Schauer und einzelne kräftige Gewitter vor allem über den Norden, an den Küsten mit stürmischen Böen. Der Südwesten und der Alpenraum bleiben weitgehend trocken – und genau von dort speist sich der Rhein.
Was das Niedrigwasser die Wirtschaft kostet
Die Folgen treffen Industrie und Logistik mit voller Wucht. Zeitweise kostete der Tankertransport von Rotterdam nach Karlsruhe 165 bis 170 Euro je Tonne, eine Woche zuvor waren es rund 100 Euro. In einer IHK-Umfrage unter 170 Unternehmen meldeten im August 78 Prozent höhere Kosten, ein Drittel drosselte die Produktion, sechs Prozent stoppten sie zeitweise. Die Bank ING veranschlagt den Dämpfer für das deutsche Wirtschaftswachstum auf 0,3 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Für das Niedrigwasserjahr 2018 bezifferte die IHK den volkswirtschaftlichen Schaden auf rund 2,4 Milliarden Euro.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.





