Starker El Niño: Milder Winter in Deutschland wahrscheinlicher

28. Oktober 2026·15:03 Uhr
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Starker El Niño: Milder Winter in Deutschland wahrscheinlicher

Im tropischen Pazifik baut sich eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Aufzeichnungen auf. Die großen Saisonmodelle sehen für Deutschland eher einen milden und eher nassen Winter 2026/27. Ein Freifahrtschein ist das aber nicht: Ob Frost und Schnee kommen, entscheidet sich weit weg vom Pazifik, nämlich über dem Nordpol.

El Niño auf Rekordkurs

Die US-Klimabehörde NOAA meldete in ihrer Analyse vom 8. Oktober, dass sich El Niño weiter verstärkt. Die Meerestemperatur im zentralen Pazifik (Region Niño-3.4) liegt bereits 2,1 Grad über dem Mittel. Mit über 83 Prozent Wahrscheinlichkeit hält ein starkes bis sehr starkes Ereignis bis ins Frühjahr 2027 an. Für Oktober bis Dezember beziffert NOAA die Chance auf ein historisches Ereignis, stärker als alle seit 1950, sogar auf 83 Prozent. Global dürfte das die Temperaturen weiter nach oben treiben.

Die Modelle tendieren zu mild und nass

Der Copernicus-Klimadienst sieht in seiner Saisonprognose vom 10. Oktober für weite Teile Europas überdurchschnittliche Temperaturen und Niederschläge im Winter, das schwächste Signal zeigt sich über Skandinavien. Der Deutsche Wetterdienst nennt für Dezember bis Februar 65 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen wärmeren Winter als im Mittel 1991 bis 2020, beim Niederschlag traut er sich keine robuste Aussage zu. Nach dem trockenen Jahr wäre ein nasser Winter für Böden und Talsperren willkommen. Kurzfristig ändert sich daran aber nichts: Bis in die erste Novemberwoche bleibt es bei uns ruhig mit Hochdruck, Nebel und kaum Regen.

Der Polarwirbel hat das letzte Wort

Auf Europa wirkt El Niño nur über Umwege, das Signal wird vom Wetterrauschen über dem Atlantik stark überlagert. Die Vergangenheit zeigt beide Seiten: Der El-Niño-Winter 2015/16 war mit 3,6 Grad einer der mildesten seit 1881, der Winter 2009/10 brachte dagegen −1,3 Grad im Bundesmittel und viel Schnee. Entscheidend ist der Polarwirbel in rund 30 Kilometern Höhe. Gerät er ins Wanken, kann im Januar oder Februar Kaltluft zu uns durchbrechen. Deutliche Hinweise darauf erwarten wir frühestens im November. Unsere Einschätzung heute: eher mild, Kälteperioden aber jederzeit möglich.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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