
Während Deutschland unter Hochdruck im Nebel liegt, entlädt sich am Mittelmeer ein heftiges Unwetter. Météo-France hat für Gard, Hérault und ganz Korsika die orange Warnstufe vor Regen und Überschwemmung ausgerufen. In Frontignan und Montpellier stehen bereits Straßen unter Wasser, und das nur drei Wochen nach den Rekordregen vom Oktober.
Bis zu 150 Liter an der Küste, auf Korsika noch mehr
Schon am Mittwoch fielen zwischen Montpellier und Le Vigan laut Präfektur des Hérault 50 bis 70 Liter pro Quadratmeter, örtlich bis 80. Am Donnerstag kommen nach Angaben von Météo-France weitere 70 bis 100, stellenweise 120 bis 150 Liter hinzu. Am schlimmsten trifft es die Achse Montpellier, Lunel und Vauvert bis Richtung Arles. Auf der Ostseite Korsikas rechnet der französische Wetterdienst allein am Donnerstag mit über 200 Litern, im gesamten Ereignis mit rund 300 Litern pro Quadratmeter. Météo-France spricht von einer „aktiven und anhaltenden“ Lage und schließt eine Verschärfung der Warnungen weiter östlich nicht aus.
Überflutete Straßen und Verbote auf dem GR20
In Frontignan bei Sète wurde der Boulevard de la République überflutet, in Montpellier schwoll der Lez an, im Gard sind zahlreiche Straßen gesperrt. Die Behörden beobachten vor allem Vistre, Vidourle, Rhôny und Lez. Die Präfektur der Haute-Corse hat Schulausflüge, Outdoor- und Wildwassersport sowie das Wandern auf dem Fernwanderweg GR20 untersagt. Wanderer sollen in den Hütten bleiben. Besonders heikel ist die Lage, weil die Böden noch nass sind: Am 20. Oktober fielen in Lunel laut France 3 rund 220 Liter in vier Stunden, in Saint-Mitre-les-Remparts kam ein Mann in den Fluten ums Leben. Wer dort unterwegs ist, sollte überflutete Straßen und Furten unbedingt meiden.
Hoch Klaus lenkt die Tiefs nach Süden
Hinter dem Unwetter steckt dieselbe Wetterlage, die uns seit Tagen Nebel und Trockenheit beschert. Das blockierende Hoch Klaus über Mitteleuropa hält die atlantischen Tiefs von Deutschland fern und schickt sie auf eine südliche Bahn ins Mittelmeer. Über dem noch warmen Meer nehmen sie viel Feuchtigkeit auf und regnen sich an den Küsten und Gebirgen ab. In der Nacht zum Freitag lässt der Regen in Südfrankreich von Westen her nach. Bei uns bleibt es bis zum Wochenende neblig-trüb und weitgehend trocken, erst ab Anfang nächster Woche wird es unbeständiger.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



