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Trockene Bäche in halb Deutschland: Notabfischungen laufen

09. September 2026·18:06 Uhr
2 Min. Lesezeit
AgrarwetterWetterlage
Trockene Bäche in halb Deutschland: Notabfischungen laufen

Bachbetten wie Trampelpfade, Fische zusammengedrängt in einzelnen Pfützen: Nach dem heißen und extrem trockenen Sommer sind quer durch Deutschland kleine Bäche trockengefallen. Ehrenamtliche und Behörden keschern die Tiere heraus und setzen sie um. Der Regen an diesem Mittwoch ändert daran wenig, denn ab Donnerstag übernimmt schon wieder der Hochdruck.

Von Kiel bis ins Allgäu ohne Wasser

Die Liste der trockengefallenen Gewässer reicht quer durchs Land. In Schleswig-Holstein liegt die Struckdieksau bei Kiel fast auf ihrer ganzen Länge trocken, auch die Alsterquelle bei Henstedt-Ulzburg ist versiegt. Im Hochtaunus führt die Weil kaum noch Wasser, in Unterfranken verschwand die Streu bei Mellrichstadt streckenweise ganz, im Allgäu der Mühlbach bei Ottobeuren. Die Dreisam bei Freiburg versickert im eigenen Kiesbett, und in der Lausitz ist die Schwarze Elster über längere Abschnitte ausgetrocknet. Wo überhaupt Wasser bleibt, sind es einzelne Restpfützen ohne Verbindung.

Notabfischungen auf Rekordniveau

Für die Fischereivereine bedeutet das Dauereinsatz. Am Möhnesee holten Forstamt Arnsberger Wald, Kreis Soest und Ruhrverband Mitte August Quappen, Schmerlen, Döbel und Hasel aus der fast trockenen Heve und setzten sie in tiefere Gumpen um. Oberhalb von 23 Grad Wassertemperatur kollabiere der Stoffwechsel der Kaltwasserarten, erklärt Fischereimanager Markus Kühlmann vom Ruhrverband. Der Fischereiverband Oberbayern spricht von Notabfischungen auf Rekordniveau, am Rettenbach wurden über 100 Muscheln geborgen. Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg sammelt bis zum 27. September Meldungen seiner Vereine über Fischsterben und Rettungseinsätze.

Unsere Vorhersage: Hochdruck statt Nachschub

Der Regen dieses Mittwochs ist nur eine Momentaufnahme. Hinter der Kaltfront kühlt es auf 17 bis 22 Grad ab, am Alpenrand fällt länger anhaltender Regen, sonst bleibt es bei Schauern. Ab Donnerstag baut sich ein Hoch über Mitteleuropa auf: trockenes Wetter bis mindestens Montag, Nebel in den Flusstälern, einstellige Nächte und am Wochenende wieder 20 bis 25 Grad. Den Bächen fehlt damit weiter der Nachschub aus dem Untergrund. Bayerns Niedrigwasser-Lagebericht vom 4. September führt rund 72 Prozent der Pegel unter dem mittleren Niedrigwasserabfluss und 82 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen als niedrig oder sehr niedrig, etwa elf Prozent auf neuen Tiefstwerten. Nachfüllen lässt sich das erst im Winterhalbjahr.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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