
Über dem Atlantik braut sich ein Sturmtief zusammen, das sich am Donnerstag so rasant vertieft, dass Meteorologen von einem Bombenzyklon sprechen. Für Südengland und Wales gilt bereits eine Sturmwarnung. In der Nacht zum Freitag zieht das Tief über den Ärmelkanal Richtung Nordsee und bringt auch dem Westen und Norden Deutschlands stürmische Böen und kräftigen Regen.
Was einen Bombenzyklon ausmacht
Von einem Bombenzyklon sprechen Meteorologen, wenn der Luftdruck im Zentrum eines Tiefs innerhalb von 24 Stunden um mindestens 24 Hektopascal fällt. Genau das zeigen die Modelle für Donnerstag: Zwischen Morgen und Abend dürfte der Druck um mehr als 24 Hektopascal fallen, also in nur rund zwölf Stunden. Angetrieben wird das Tief von einem kräftigen Jetstream mit Windgeschwindigkeiten bis 300 km/h in großer Höhe. Wenn es Südwestengland erreicht, erwarten wir einen Kerndruck um 970 Hektopascal. Ein Orkan im klassischen Sinne wird es für Deutschland aber wohl nicht, denn die explosive Phase spielt sich weit draußen über dem Meer ab.
Sturmwarnung für Südengland und Wales
Am härtesten trifft es die Britischen Inseln. Das Met Office hat für Freitag von Mitternacht bis 12 Uhr Ortszeit eine gelbe Windwarnung für Südwestengland, Teile Südostenglands und Wales ausgegeben. Verbreitet sind Böen von 80 bis 95 km/h möglich, an Küsten und in exponierten Lagen auch 110 km/h und mehr. Der britische Wetterdienst rechnet mit Schäden und Behinderungen im Verkehr und weist darauf hin, dass noch unsicher ist, wo genau der stärkste Wind auftritt. Über der Irischen See und dem Ärmelkanal dürften die Böen noch heftiger ausfallen. Wer in den Herbstferien mit Fähre oder Flugzeug nach Großbritannien unterwegs ist, sollte sich auf Verspätungen und Ausfälle einstellen.
Was der Sturm für Deutschland bedeutet
Auf dem Weg über die Niederlande zur Deutschen Bucht verliert das Tief an Kraft. Schon in der Nacht zum Donnerstag frischt der Südwestwind an der Nordsee mit Böen um 70 km/h auf. Am Freitag und in der Nacht zum Samstag erwarten wir im Westen und Norden stürmische Böen um 70 km/h, an der Nordsee und auf den Gipfeln von Mittelgebirgen und Alpen Sturmböen bis 85 km/h. Schwere Sturmböen um 100 km/h sind nach der Wochenvorhersage des DWD nur gering wahrscheinlich. In den westlichen Staulagen der Mittelgebirge können in 12 bis 24 Stunden 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter Regen fallen, bei 10 bis 15 Grad. Am Samstag bleibt es an den Küsten stürmisch. Für Sonntag, den Tag der Zeitumstellung, ist die Entwicklung noch sehr unsicher: Ein neues Tief könnte an Küsten und auf Bergen sogar Orkanböen bringen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.
