
Mehr als vier Monate hat es gedauert, jetzt hat der Atlantik seinen ersten Hurrikan der Saison: Isaias. In der Nacht zum Donnerstag erreichte der Sturm im Golf von Mexiko Hurrikanstärke und zieht nun auf die Küste zwischen Mississippi und Florida zu. Dort drohen gefährliche Sturmfluten, Starkregen und Orkanböen. Später im Jahr entstand der erste Hurrikan nur ein einziges Mal: 1905.
Landfall in der Nacht zu Samstag
Nach Messungen der Hurrikanjäger hält Isaias Windgeschwindigkeiten von rund 120 km/h im Mittel und ist damit ein Hurrikan der Kategorie 1. Das Zentrum lag zuletzt gut 700 Kilometer südwestlich der Mississippi-Mündung und zieht langsam nordwärts. Über dem sehr warmen Wasser des Golfs dürfte der Sturm noch zulegen. Der Landfall wird am späten Freitagabend Ortszeit erwartet, nach deutscher Zeit also am Samstagmorgen, zwischen der Küste Mississippis und dem westlichen Florida Panhandle. Wahrscheinlich ist dann Kategorie 1 oder 2, an der Küste sind Böen von 130 bis 160 km/h möglich.
Sturmflut, Starkregen und Notstand
Die größte Gefahr geht vom Wasser aus. An den Küsten von Mississippi und Alabama kann die Sturmflut bis zu sieben Fuß erreichen, also gut zwei Meter, am westlichen Florida Panhandle bis zu anderthalb Meter. Eine Hurrikanwarnung gilt von Ocean Springs in Mississippi bis nach Florida. Dazu fallen 75 bis 180, örtlich bis 250 Liter Regen pro Quadratmeter, auch Tornados sind möglich. Alabamas Gouverneurin Kay Ivey hat für 40 Bezirke den Notstand ausgerufen, Floridas Gouverneur Ron DeSantis für 25. Im Golf wurde rund ein Viertel der Ölförderung gestoppt, nach Behördenangaben 511.000 Barrel pro Tag.
El Niño bremst den Atlantik, Deutschland wird stürmisch
Dass der erste Hurrikan erst jetzt kommt, liegt am starken El Niño. Er verstärkt die Höhenwinde über dem Atlantik so sehr, dass die Stürme ständig zerschert werden. Im Pazifik war die Saison dagegen überdurchschnittlich aktiv. Bei uns sorgt am Donnerstag eine Kaltfront für einen Temperatursturz um bis zu 15 Grad, dazu kommen Schauer, einzelne Gewitter und Sturmböen, auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden schon 80 km/h gemessen. Am Wochenende sind an den Küsten wiederholt Gewitter mit Starkregen möglich. Ab Montag beruhigt sich das Wetter.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



