
Am Bodensee endet an diesem Sonntag die Schifffahrtssaison – auf dem Untersee allerdings schon seit Wochen ohne die großen Kursschiffe. Der See ist so tief gefallen wie selten, am Pegel Berlingen sogar tiefer als je zuvor gemessen. Der Herbstregen bringt Abwechslung ins Wetter, aber kaum Wasser für den See.
Untersee auf Rekordtief, Häfen zu flach
Am Pegel Berlingen am Untersee wurden am 7. Oktober 394,16 Meter über Meer gemessen – nach Angaben des Fachmagazins Yacht rund 15 Zentimeter weniger als beim bisherigen Tiefstwert vom 14. Januar 1949. Schon seit dem 1. Oktober fahren die Bodensee-Schiffsbetriebe Radolfzell, Iznang, Mannenbach und die Reichenau nicht mehr an. „Wir haben die Schifffahrt buchstäblich bis zum letzten Zentimeter aufrechterhalten“, sagte BSB-Geschäftsführer Frank Weber der dpa. Die Gefahr, in den Hafeneinfahrten festzusitzen, sei zu groß geworden. Die Schweizer URh fährt dank geringen Tiefgangs weiter, lässt aber Wangen und Mammern aus.
Ein Meter fehlt – und der Nachschub bleibt aus
Auch der Obersee liegt weit unter dem Normalstand. Am Pegel Konstanz wurden am 15. Oktober 250 Zentimeter gemessen, rund 95 Zentimeter unter dem langjährigen Mittel für den Tag. In Lindau liegt der Wasserstand laut Gewässerkundlichem Dienst Bayern seit dem 18. Juni an jedem Tag unter dem bisherigen Tagesminimum der Vergleichsreihe seit 1991. Die Gründe: Nach einem schneearmen Alpenwinter blieb das Schmelzwasser im Frühsommer weitgehend aus, dazu kamen Hitze und Verdunstung. Im September fielen in Baden-Württemberg nach DWD-Angaben nur rund 19 Liter pro Quadratmeter, gut ein Viertel des Üblichen.
Unsere Prognose: Regen ja, Trendwende nein
Der Dauerregen dieses Wochenendes konzentriert sich auf Südschwarzwald und Hochrhein, das Einzugsgebiet des Bodensees im Alpenrheintal bekommt deutlich weniger ab. Montag und Dienstag setzt sich Hochdruck mit Nebel durch, am Mittwoch zieht im Süden erneut länger anhaltender Regen auf, danach bleibt es wechselhaft und mild bei 8 bis 15 Grad. Das reicht nur für kleine, kurze Anstiege. Hinzu kommt der Jahresgang: Im Winter fällt in den Alpen Niederschlag als Schnee und der See sinkt normalerweise weiter. Die LUBW erwartet keine rasche Entspannung, entscheidend wird ein schneereicher Winter.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



