
In Ligurien fielen am Mittwoch binnen zwölf Stunden über 250 Liter Regen pro Quadratmeter, der Torrente Lavagna trat über die Ufer, Anwohner mussten in die oberen Etagen. Heute verlagert sich die Unwetterzone nach Mittelitalien und an die Adria, bis zum Wochenende weiter nach Slowenien und Kroatien. Deutschland bleibt außen vor – hier baut sich Hochdruck auf.
Über 250 Liter Regen in zwölf Stunden
Den Schwerpunkt traf das ligurische Hinterland östlich von Genua. In Calvari im Val Fontanabuona fielen nach Daten der Umweltagentur Arpal binnen zwölf Stunden mehr als 250 Liter pro Quadratmeter, bei Rezzoaglio wurden rund 270 Liter registriert, bei Moconesi etwa 230 – mit Stundenintensitäten von knapp 85 Litern. Verantwortlich war ein nahezu ortsfestes Gewittersystem über den Tälern. Der Torrente Lavagna trat an mehreren Stellen über die Ufer, die Gemeinde San Colombano Certenoli rief Anwohner auf, in obere Etagen zu wechseln, eine Brücke wurde gesperrt. Arpal hob die Warnstufe um 13 Uhr von Gelb auf Orange.
Heute Warnstufe Orange bis in die Marken
Die Gewitterzone verlagert sich nach Osten und Süden. Für Donnerstag hat der italienische Zivilschutz für Emilia-Romagna, die Toskana, die Marken und Venetien die Warnstufe Orange ausgegeben, für acht weitere Regionen von Piemont bis Latium Gelb. Schon am Mittwoch zog eine kräftige Superzelle über die nördliche Toskana zwischen Massa-Carrara und Forte dei Marmi, in Viareggio beschädigte eine Windhose Strandbetriebe, in der Lombardei meldete die Feuerwehr rund 195 Einsätze. Am Freitag und Samstag greifen die Gewitter nach Slowenien und Kroatien über, dort drohen Sturmböen, größerer Hagel und Starkregen.
Deutschland bleibt auf der trockenen Seite
Angetrieben wird das Ganze von demselben Höhentrog, der bei uns am Dienstag die September-Wärme beendet hat. Südlich der Alpen entstand daraus ein Mittelmeertief, das seine Energie aus dem nach dem Rekordsommer noch sehr warmen Meer zieht – Ende August lagen die Wassertemperaturen im Mittelmeer laut Deutschem Wetterdienst bei 24 bis 30 Grad. Bei uns übernimmt dagegen der Hochdruck: heute 17 bis 22 Grad, am Samstag 19 bis 24, am Montag bis 26 Grad, dazu Nebel in den Flusstälern, einstellige Nächte und praktisch kein Regen für die ausgetrockneten Böden.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.







