
Endlich regnet es im Sauerland kräftig, bis Samstagfrüh fallen in den Staulagen örtlich bis zu 40 Liter pro Quadratmeter. Die Talsperren des Ruhrverbands spüren davon trotzdem kaum etwas: Am Freitagmorgen lag ihr Füllstand bei 66,2 Prozent und sank weiter. Der ausgedörrte Boden schluckt zunächst fast jeden Tropfen, ehe in den Bächen etwas ankommt.
Mehr Abfluss als Zufluss
Nach dem Lagebericht der Talsperrenleitzentrale Ruhr vom Freitag, 9. Oktober, flossen den Speichern um 7 Uhr insgesamt nur 3,7 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu. Abgegeben wurden 8,0 Kubikmeter, also mehr als doppelt so viel. Der Rückgang hält seit Monaten an: Anfang August meldete der Ruhrverband 81,2 Prozent, Anfang September noch 73,5 Prozent. Die Abgabe ist Pflicht, denn die Talsperren halten die Ruhr am Leben. Allein im Juli wäre der Fluss am Pegel Villigst bei Schwerte an 18 Tagen ohne Zuschusswasser trockengefallen.
Ein Rekordjuli und weniger Pflichtwasser
Im Juli fielen im Einzugsgebiet der Ruhr nach Verbandsangaben nur 22 Liter pro Quadratmeter. Das waren 77 Prozent weniger als üblich, wahrscheinlich der trockenste Juli seit rund 100 Jahren. Entlastung bringt eine Gesetzesänderung des NRW-Landtags vom Dezember 2024. Von Juli bis März muss die Ruhr bei Villigst nur noch 12 statt 15 Kubikmeter pro Sekunde führen. Die Wasserversorgung für rund 4,6 Millionen Menschen gilt nach Angaben des Verbands weiterhin als gesichert. Das Polster wird jedoch Woche für Woche dünner.
Dauerregen hilft nur kurz
Bis Samstagfrüh erwarten wir im Bergischen Land und im westlichen Sauerland kleinräumig 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in 12 bis 18 Stunden. Am Wochenende folgen Schauer bei 12 bis 16 Grad, ab Montag wird es ruhiger und mild. Der Ruhrverband rechnet deshalb nur mit vorübergehend leicht steigenden Abflüssen. Der trockene Waldboden muss sich erst wieder vollsaugen, bevor Wasser in Bäche und Speicher fließt. Richtig auffüllen können sich die Talsperren erst im Winterhalbjahr, und dafür braucht es wochenlangen Landregen statt einzelner Regentage.
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.



