
Am 12. September hat das Meereis der Arktis seinen Tiefpunkt erreicht: 4,60 Millionen Quadratkilometer, der zehntkleinste Wert der Satellitenreihe. Das klingt nach Mittelmaß – ist es aber nicht. Forschungsschiffe kamen im August durch Regionen, in denen früher festes Packeis lag. Denn die Fläche verrät nichts über die Dicke.
Zehntkleinste Fläche der Messreihe
Nach Auswertung des National Snow and Ice Data Center schrumpfte die Eisdecke am 12. September auf 4,60 Millionen Quadratkilometer. Das ist praktisch gleichauf mit 2008, 2010 und dem Vorjahr 2025 und liegt deutlich über dem Rekordtief von 3,39 Millionen Quadratkilometern vom 17. September 2012. Der langfristige Trend bleibt dennoch eindeutig: Seit 1979 verliert das sommerliche Meereis rund 11,8 Prozent pro Jahrzehnt, im Mittel etwa 73.200 Quadratkilometer pro Jahr. Die 20 kleinsten Minima der gesamten Messreihe stammen ausnahmslos aus den Jahren 2007 bis 2026.
Erstmals eine klare Zweiteilung
Entscheidend ist diesmal nicht die Fläche, sondern ihr Zustand. Als Eisfläche zählt bereits jedes Gebiet mit mindestens 15 Prozent Bedeckung – und genau dort liegt der Haken: Über weite Strecken war das Eis dünn und löchrig, mehrjähriges Eis von mehr als zwei Metern Dicke findet sich fast nur noch nördlich von Kanada und Grönland. Meereisphysikerin Lena Buth vom Alfred-Wegener-Institut sagt dazu: "Eine so deutliche Zweiteilung in der Meereiskonzentration der Arktis sehen wir zum ersten Mal." Das norwegische Forschungsschiff "Kronprins Haakon" erreichte den Nordpol im August vier Tage früher als geplant.
Antarktis, Jetstream und unser Wetter
Auf der Südhalbkugel erreichte das Meereis am 14. September mit 17,59 Millionen Quadratkilometern sein Maximum – der drittniedrigste Wert der Satellitenreihe. Ob die schrumpfende Eisdecke unsere Winter verändert, ist unter Fachleuten weiter strittig: Der Temperaturgegensatz zwischen Arktis und mittleren Breiten treibt den Jetstream an, über die Stärke dieses Effekts sind sich die Modelle uneins. Bei uns bleibt es vorerst mild. Am Mittwoch werden im Süden und Westen 25 bis 29, am Oberrhein rund 30 Grad erreicht, am Donnerstag zieht eine Kaltfront mit schauerartigem Regen über die Westhälfte. Danach 18 bis 24 Grad, am Samstag einzelne Gewitter am Alpenrand.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



