
Tausende tote Fische in der Kieler Förde und in der Lübecker Bucht: Am vergangenen Wochenende erstickten die Tiere im flachen Wasser, Passanten zogen noch lebende Fische heraus. Ausgelöst hat das eine Windrichtung. Dahinter steht ein Problem, das seit Jahren wächst - die Ostsee wird wärmer, ihr Tiefenwasser sauerstoffärmer.
Wenn der Wind das Wasser wegzieht
Ablandiger Wind schiebt sauerstoffreiches Oberflächenwasser hinaus aufs offene Meer, aus der Tiefe strömt sauerstoffarmes Wasser nach: Diesen Auslöser nennt das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Fachleute sprechen von Upwelling. In den engen Förden können die Fische nicht ausweichen, sie steigen auf, schnappen an der Oberfläche nach Luft und ersticken. Die Wasserschutzpolizei bestätigte Tausende verendete Tiere, der Kommunale Ordnungsdienst sperrte das Ufer an der Hörn ab. Nach Recherchen der taz trieben neben Dorschen und Meerforellen auch Muscheln, Seeigel und Seesterne im Wasser.
Warmes Wasser hält weniger Sauerstoff
Dass ein Windwechsel so durchschlägt, liegt am Zustand des Meeres. Warmes Wasser löst weniger Sauerstoff, und eine stabile Schichtung hält den Nachschub von oben fern. Die Ostsee kam im Sommer 2026 auf 17,2 Grad Oberflächentemperatur, rund ein Grad über dem Mittel 1997 bis 2021 und damit auf den siebtwärmsten Sommer seit 1997, die Nordsee mit 15,6 Grad auf Rang fünf. Vor Helgoland zählte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie 66 Tage mit marinen Hitzewellen, am 1. Juli war das Wasser fast vier Grad zu warm. Extreme Wärmeereignisse machten sich "auch in unseren heimischen Meeren deutlich bemerkbar", sagt Tim Kruschke vom BSH.
Unsere Vorhersage für die Küste
An der Nordsee weht es am Donnerstag noch kräftig aus Nordwest mit Sturmböen der Stärke 8, exponiert 9, an der Ostsee bleibt es deutlich schwächer. Ab Freitag übernimmt ein Hoch: Das Wochenende wird trocken und sonnig, an der Küste 17 bis 22 Grad bei schwachem Wind aus südlichen Richtungen, im Südwesten bis 27 Grad, zum Wochenstart örtlich nahe 30 Grad. Für die Förden ist das eine Atempause, mehr nicht. Solange die Schichtung hält, kann jede längere Südwestlage das sauerstoffarme Tiefenwasser erneut nach oben holen. Erst die Herbststürme durchmischen die Wassersäule, meist im Oktober.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.






