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Aletschgletscher verliert sechs Meter Eis in einem Sommer

20. September 2026·12:06 Uhr
2 Min. Lesezeit
KlimawandelWetter weltweit
Aletschgletscher verliert sechs Meter Eis in einem Sommer

Ein einziges Foto vom Konkordiaplatz sorgt derzeit in den Alpen für Aufsehen: Im Herzen des größten Gletschers der Alpen ist in diesem Sommer eine fast sechs Meter dicke Eisschicht verschwunden. Der Glaziologe, der die Aufnahme veröffentlichte, findet dafür keine Worte mehr. Am 30. September endet das Gletscherjahr – und die Bilanz dürfte ernüchternd ausfallen.

Sechs Meter Eis an einem einzigen Messpunkt

Der Konkordiaplatz liegt dort, wo die großen Eisströme des Aletschgletschers zusammenfließen und das Eis mehrere hundert Meter mächtig ist. Genau hier sank die Oberfläche in diesem Sommer um knapp sechs Meter. Zum Vergleich: 2023 waren es 4,7 Meter, 2024 rund vier und 2025 4,6 Meter, nur das Extremjahr 2022 lag mit ebenfalls etwa sechs Metern auf diesem Niveau. Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS, veröffentlichte das Vergleichsbild mit dem Kommentar, ihm fehlten dafür die Worte. Seit dem Jahr 2000 haben die Schweizer Gletscher rund 40 Prozent ihres Volumens eingebüßt.

Der fehlende Schnee war entscheidend

Nicht die Hitze allein hat das Eis geschwächt, sondern der fehlende Schutz darüber. GLAMOS maß Ende April rund ein Viertel weniger Winterschnee als im Mittel der Jahre 2010 bis 2020, und nach Mitte Mai blieben die sommerlichen Neuschneefälle aus, die die Schmelze sonst für einige Tage ausbremsen. Der Gletscherschwundtag, an dem der Winterschnee aufgebraucht ist, fiel schon auf den 29. Juni – so früh wie sonst nur 2022. Im Vorjahr war es der 4. Juli, 2024 sogar erst der 11. August. Ohne helle Schneedecke schluckt das dunkle Eis deutlich mehr Sonnenenergie. MeteoSchweiz führt den Sommer 2026 als wärmsten seit Messbeginn 1864, rund 3,4 Grad über dem Mittel 1991 bis 2020.

Auch Deutschlands letzte Gletscher schmelzen

Die vier verbliebenen deutschen Gletscher schrumpfen ebenfalls rasant. Nach Messungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Hochschule München vom März 2026 verloren sie binnen zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche, Blaueis und Watzmanngletscher sogar je rund 40 Prozent, der schattig gelegene Höllentalferner neun Prozent. Auf der Zugspitze lagen die Jahresmittel 2024 und 2025 mehr als zwei Grad über dem 125-jährigen Messmittel. Bis zum Stichtag am 30. September ändert das Wetter daran wenig: Wir erwarten ruhiges, mildes Hochdruckwetter mit 18 bis 24 Grad und einem wechselhafteren Norden. Nennenswerter Neuschnee im Hochgebirge ist nicht in Sicht, die Schmelze läuft also weiter.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.

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