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Waldbrandrauch in Europa: Feinstaub trifft Millionen Menschen

11. September 2026·14:30 Uhr
2 Min. Lesezeit
GesundheitKlimawandel
Waldbrandrauch in Europa: Feinstaub trifft Millionen Menschen

Europas Brandsaison hinterlässt nicht nur verkohlte Hänge, sondern auch eine unsichtbare Spur in der Atemluft. Die Weltorganisation für Meteorologie hat Anfang September ihr neues Luftqualitäts-Bulletin vorgelegt – mit einer unbequemen Botschaft: Der Rauch brennender Wälder ist für die Lunge gefährlicher als Autoabgase. Und die Brandflächen dieses Jahres sind gewaltig.

540.000 Hektar in einem Sommer

Zwischen dem 18. Juni und dem 2. September sind in der Europäischen Union nach Daten des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS rund 540.000 Hektar verbrannt, verteilt auf über 1.000 größere Feuer. Das ist mehr als die doppelte Fläche Luxemburgs und liegt deutlich über dem Mittel der vergangenen 20 Jahre, bleibt aber unter dem Rekordjahr 2025 mit mehr als 800.000 Hektar im gleichen Zeitraum. Frankreich stellte bereits im Juli einen Jahresrekord auf, Belgien meldete im August seinen schwersten Waldbrand seit über hundert Jahren. EFFIS erfasst dabei nur Brände ab 30 Hektar.

Giftiger als Autoabgase

Der Rauch trifft Regionen mit Millionen Einwohnern. Der Copernicus-Atmosphärendienst CAMS registrierte Ende Juli im Großraum Bordeaux Feinstaubwerte der Klasse PM2.5 von über 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, in Madrid 80 bis 100 – der EU-Zielwert für das Tagesmittel liegt bei 25. Laut Lorenzo Labrador von der Weltorganisation für Meteorologie sind die Partikel aus verbrannter Vegetation deutlich toxischer als Autoabgase. Eine im WMO-Bulletin zitierte Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass sich extreme Rauchereignisse seit den 1990er-Jahren weltweit verdreifacht haben.

Was das für Deutschland heißt

Bei uns bleibt die Luft vorerst unauffällig. Ein Hoch über Mitteleuropa sorgt bis Anfang kommender Woche für ruhiges Spätsommerwetter: heute 17 bis 22 Grad, am Wochenende 20 bis 25 Grad und zum Wochenstart 22 bis 27, im Südwesten örtlich nahe 30 Grad. Eine Entwarnung ist das nicht. Rauchfahnen legen in größerer Höhe oft tausende Kilometer zurück, und in Deutschland brannten nach Auswertung des Global Wildfire Information System bis Ende Juli rund 6.000 Hektar Wald – fast doppelt so viel wie im langjährigen Mittel. Regen fällt bis Montag praktisch keiner.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.

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