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El Niño auf Rekordkurs: Atlantik ohne Hurrikan zur Saisonspitze

24. August 2026·12:03 Uhr
2 Min. Lesezeit
KlimatrendHurrikan
El Niño auf Rekordkurs: Atlantik ohne Hurrikan zur Saisonspitze

Der Pazifik läuft heiß, der Atlantik bleibt auffällig still: Mitten in der Hauptsaison hat sich dort noch kein einziger Hurrikan gebildet – so spät war das seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall. Dahinter steht ein El Niño, der auf einen historischen Spitzenwert zusteuert. Die spannendere Frage ist, was davon im Winter bei uns ankommt.

El Niño mit historischem Potenzial

Im äquatorialen Pazifik baut sich ein El Niño auf, wie es ihn in der Messreihe kaum je gab. Das Climate Prediction Center der NOAA gab in seiner Diagnose vom 13. August eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für ein sehr starkes Ereignis im Herbst und Winter 2026/27 an, für Oktober bis Dezember liegt die Chance auf einen historischen Spitzenwert bei 69 Prozent. Der Deutsche Wetterdienst verweist darauf, dass die Wassertemperaturen vor der Küste Perus im Juli mehr als drei Grad über dem Mittel 1991 bis 2020 lagen.

Ein Atlantik ohne Hurrikan

Die Folge ist kräftige Windscherung über dem tropischen Atlantik, und die zerreißt junge Wirbel, bevor sie stark werden. Bislang gab es 2026 nur die Tropenstürme Arthur, Bertha und Cristobal, zusammen kaum viereinhalb Tage Lebensdauer – nach der Sturmenergie ACE der schwächste Saisonstart seit 1988. Im Mittel entsteht der erste Hurrikan um den 11. August, die späteste Erstbildung im Satellitenzeitalter datiert vom 11. September 2002. Die NOAA hält im August-Update an 7 bis 13 benannten Stürmen und 2 bis 6 Hurrikanen fest, für den Ostpazifik sind dagegen 15 bis 22 Stürme angesetzt.

Und was heißt das für Deutschland?

Für Mitteleuropa sind die Signale deutlich schwächer als für Australien oder Südamerika, sie wirken nur indirekt über die Großwetterlage. Der DWD schreibt in seinem Thema des Tages vom 23. August, Studien zeigten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Störungen des Polarwirbels und für negative NAO-Phasen, ein direkter Schluss auf einen kalten Winter in Europa sei aber falsch – der Frühwinter fiel nach starken Ereignissen oft mild und nass aus. Ein Nebeneffekt der ruhigen Atlantiksaison zeigt sich früher: Es fehlen ausgewachsene Hurrikane, die als Ex-Tropenstürme im Herbst Sturmenergie nach Europa lenken.

Johannes Graf
Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei wetter.net.

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