
Die Dürre in Mitteleuropa hat längst den Untergrund erreicht. In Österreich ist das Grundwasser an Dutzenden Messstellen so tief gesunken wie noch nie, in Oberösterreich fielen bereits Brunnen trocken. Die nun anrollende Sturmserie bringt zwar endlich Regen in den Alpenraum. Für eine echte Trendwende reicht das aber bei Weitem nicht.
36 Messstellen mit Negativrekord
Nach einer Analyse der Umweltschutzorganisation Greenpeace vom 19. Oktober verzeichneten 36 von 227 untersuchten Grundwassermessstellen in Österreich Mitte Oktober einen Negativrekord, das sind rund 16 Prozent. Am häufigsten betroffen sind die Steiermark mit neun, Oberösterreich mit acht und Niederösterreich mit sieben Messstellen. In Oberösterreich liegen laut der Taskforce Trockenheit des Landes sogar 95 Prozent der beobachteten Messstellen im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Am stärksten betroffen sind laut Peter Kickinger vom Hydrographischen Dienst das südliche und nördliche Innviertel sowie das nördliche Traun- und Hausruckviertel, also die Regionen direkt an der Grenze zu Bayern.
Zwei Jahre Defizit, Brunnen versiegen
Von Januar bis September fielen in Oberösterreich nur rund 65 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. Über zwei Jahre gerechnet fehlen nach Angaben des Landes rund 500 Liter pro Quadratmeter, die Hitze hat die Verdunstung zusätzlich angetrieben. Die öffentliche Trinkwasserversorgung ist weitgehend stabil, Kickinger sieht derzeit keine Gefahr. Bei kleinen Wassergenossenschaften und privaten Brunnen wird es aber eng: In Weyer, Pettenbach und Pfarrkirchen im Mühlkreis fielen Brunnen trocken, teils war eine Notversorgung nötig. Auch der Attersee steht historisch niedrig. Landesrat Stefan Kaineder spricht von einer Dürreperiode, „wie wir sie in dieser Dimension bisher noch nicht erlebt haben“.
Sturmserie bringt Regen, aber zu wenig
Nach dem Föhn ziehen am Mittwoch mit einer Kaltfront Regen und in höheren Lagen Schnee in die Nordalpen. Ab Freitag stellt sich die Wetterlage auf eine unbeständige Westlage mit Sturm um, am Wochenende regnet es auch an den Alpen und im Südosten. In den Nordstaulagen können dabei einige Dutzend Liter zusammenkommen, im Inn- und Mühlviertel und im Flachland deutlich weniger. Fachleute des Landes halten für eine nachhaltige Erholung des Grundwassers 200 bis 300 Liter pro Quadratmeter über mehrere Wochen für nötig. Entscheidend wird daher der Winter. Bleiben Regen und Schnee erneut aus, könnte sich die Lage laut Greenpeace weiter verschärfen.
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.



