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Kraniche über Deutschland: Dürre schwächt den Nachwuchs

25. September 2026·18:05 Uhr
2 Min. Lesezeit
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Kraniche über Deutschland: Dürre schwächt den Nachwuchs

Über den Bodden und Rügen sind sie wieder zu hören: die Trompeten des Nordens. Zehntausende Kraniche sammeln sich für den Weg nach Südwesten. Doch in diesem Herbst ist vieles anders. Der Dürresommer hat die Brutgebiete ausgetrocknet, und das kräftige Hoch über Westeuropa schreibt den Vögeln gerade einen eigenen Flugplan.

Rastplätze füllen sich sehr ungleich

An der Darß-Zingster Boddenkette und rund um Rügen wurden zuletzt knapp 10.000 Kraniche gezählt, nachdem ungünstige Winde den Überflug aus Südschweden zuvor gebremst hatten. Ganz anders im brandenburgischen Rhin- und Havelluch bei Linum: Dort kamen bei der jüngsten Synchronzählung nur 3.200 Vögel zusammen, laut NABU der niedrigste Wert für diese Jahreszeit seit über zehn Jahren. Warum die Trupps aus Osteuropa und dem Baltikum später dran sind, ist offen. Im Oktober rasten in Deutschland sonst 200.000 bis 300.000 Kraniche gleichzeitig.

Trockene Nester, schwacher Nachwuchs

Das Brutjahr 2026 fällt nach NABU-Angaben schwach aus, und die Ursache ist das Wetter. Fehlt rund um die Nester das Wasser, verlieren die Gelege ihren natürlichen Burggraben: Füchse, Wildschweine und Waschbären kommen trockenen Fußes heran, Eier und Küken sind deutlich schlechter geschützt. Immerhin gibt es bislang keine Hinweise auf neue Ausbrüche der Vogelgrippe, die die Bestände im Vorjahr hart getroffen hatte. Mehr als 13.000 Brutpaare leben inzwischen in Deutschland, vor allem im Nordosten.

Warum der Massenabzug noch auf sich warten lässt

Für den Weiterflug zählt vor allem der Wind. Das Rastmaximum wird meist in der ersten Oktoberhälfte erreicht, der große Aufbruch Richtung Südwesten folgt oft erst gegen Ende des Monats, wenn Rückenwind die Strecke nach Frankreich verkürzt. Danach sieht es vorerst nicht aus: Bis Mittwoch bleibt es unter Hochdruckeinfluss ruhig und für die Jahreszeit sehr warm, im Süden und Westen sind 25 bis 29, am Oberrhein bis 31 Grad drin, im Norden 18 bis 24 Grad bei schwachem bis mäßigem Wind. Erst ab Donnerstag wird es von Westen unbeständiger.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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