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Regenfront erreicht den Westen: Böden nehmen kaum Wasser auf

29. September 2026·09:10 Uhr
2 Min. Lesezeit
WetterlageWetterwissen
Regenfront erreicht den Westen: Böden nehmen kaum Wasser auf

Nach Monaten ohne nennenswerten Landregen zieht am Donnerstag endlich eine Kaltfront über Deutschland. Ausgerechnet dort, wo das Wasser am dringendsten gebraucht wird, kommt es aber kaum im Boden an: Staubtrockene Böden weisen Regen regelrecht ab. Warum das so ist – und was die Front tatsächlich bringt.

Kaltfront bleibt über der Mitte hängen

Am Dienstag und Mittwoch bestimmt noch trockene, ungewöhnlich warme Luft das Bild, im Westen und Südwesten sind bis zu 29 Grad drin, am Oberrhein örtlich um 30 Grad. Am Donnerstag greift dann die Kaltfront eines Islandtiefs von Westen über. Das kräftige Hoch über Osteuropa bremst sie aus, über der Landesmitte kommt sie kaum noch voran. In der Westhälfte fällt deshalb gebietsweise kräftiger, vereinzelt gewittriger Regen, örtlich reichen die Mengen an die Warnschwellen für Stark- oder Dauerregen heran. Im Osten bleibt es mit rund 25 Grad noch sommerlich, sonst werden es gut 20 Grad.

Warum der Boden das Wasser abweist

Nach Monaten ohne Durchfeuchtung verändert sich die Bodenoberfläche: Fette und Wachse aus schwer abbaubarem organischem Material legen sich als dünner Film um die Bodenteilchen, das Wasser perlt ab, statt einzusickern. Fachleute sprechen von Benetzungshemmung. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe fand bei trockenen Bodenproben aus Norddeutschland rund 80 Prozent mit einer solchen Hemmung, knapp 40 Prozent waren sogar stark wasserabweisend. Besonders empfindlich reagieren Sand-, Wald- und Moorböden. Ein Teil des Regens schießt dann durch Trockenrisse in die Tiefe, ohne den Wurzelraum zu erreichen, der Rest läuft oberflächlich ab und nimmt Bodenmaterial mit.

Was die Front bringt – und was nicht

Für Wälder, Felder und Gärten ist trotzdem jeder Liter wertvoll, die Waldbrandgefahr sinkt zumindest vorübergehend deutlich. Am Defizit ändert der Donnerstag allerdings wenig: Der Sommer brachte nach der DWD-Bilanz nur 171 Liter pro Quadratmeter und damit 72 Prozent des Solls, und die Grundwasserneubildung läuft in Mitteleuropa ohnehin erst im Winterhalbjahr richtig an. Entscheidend ist die Intensität – länger anhaltender, leichter Regen sickert ein, kurze kräftige Schauer laufen ab. Am Wochenende bleibt es mit 18 bis 24 Grad wechselhaft, zum Wochenstart kühlt es auf 16 bis 21 Grad ab.

Dominik Jung
Über den Autor

Dominik Jung

Diplom-Meteorologe

Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.

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